Entwicklung der Persönlichkeit und des Verhaltens

Sozialkompetenz

 

Das Pferd genießt auf Grund seiner ursprünglichen Schönheit und Stärke, seiner ausgewogenen und eleganten Bewegung, seiner Fähigkeit, Freundschaften zu schließen und seiner Bereitschaft, dem Menschen zu dienen und ihn zu tragen, heute vielleicht noch mehr als früher ein hohes Ansehen. Auch daher ist es für eine tiergestützte Therapie besonders geeignet. Delphine gibt es hier ja leider nicht so häufig.

Die Wesensart des Pferdes fordert die Kontaktaufnahme und Kommunikation mit ihm geradezu heraus. Sein hoher Aufforderungscharakter motiviert dazu, neue Handlungs-, Bewegungs- und Kommunikationserfahrungen zu sammeln und den Horizont zu erweitern. Es bietet eine der heute selten gewordenen Möglichkeiten der natürlichen Begegnung. Die Bereitschaft, die Sprache des Pferdes zu erlernen ist hoch, denn als Belohnung lockt das Getragen- und Bewegtwerden, das Einssein und die Harmonie mit diesem edlen Geschöpf.

Als Herdentier verfügt das Pferd über ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Da die Kommunikation unter Pferden fast ausschließlich nonverbal (Körpersprache, Mimik, Ohrenspiel) abläuft, versteht es auch die Körpersprache des Menschen. Es ist in der Lage, auf feinste Zeichen zu reagieren und es nimmt sehr sensibel die Eigenschaften, das Verhalten und die Stimmung des Menschen wahr. Mit seiner direkten, echten, konsequenten, leicht verständlichen und niemals ironischen oder strafenden Reaktion, spiegelt es den Menschen wieder. So bietet es die Möglichkeit der Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis und fordert bewußtes und zielgerichtetes Handeln heraus.

Beim therapeutischen Einsatz des Pferdes ist von immenser Bedeutung, daß es ein Fluchttier ist. Es bedarf der Führung. Um selbst sicher zu sein, muß der Mensch dem Pferd seinen Fluchtinstinkt nehmen, es beruhigen und seine eigene Angst überwinden.

Sowohl die Überwindung der eigenen Angst als auch die Erfahrung, als schwacher Mensch dem Pferd die Furcht nehmen zu können, geben der Entwicklung eines gesunden Selbstvertrauens starken Anschub.

Beim Führen und Putzen des Pferdes ist der Mensch der aktive Teil. Hiermit sind unzählige Übungen für die Grob- und Feinmotorik, das Gleichgewicht, die Wahrnehmung, die Reaktionsfähigkeit, die Handlungsbereitschaft, die Koordination und Konzentration, die Kommunikation und die Raumorientierung selbstverständlich verbunden. Der Mensch ist mit allen Sinnen dabei.

Sowohl am Boden als auch auf dem Pferd steht der Mensch in einem ständigem Bewegungsdialog mit dem Pferd, das unmittelbar und konsequent auf ihn reagiert (oder eben auch nicht). Das heilpädagogische Reiten und Arbeiten mit dem Pferd kann also Verhaltensänderungen anstoßen und festigen und neue Bewegungsabläufe und -muster anbahnen, stabilisieren und als Langzeitziel sogar automatisieren.

Intensiver Umgang, der die natürlichen Eigenarten und Bedürfnisse des Pferdes achtet, dient so dem Menschen, seine Persönlichkeit und seinen Körper auszubilden, zu stärken und zu fördern. Er ist immer mit Bewegung, Wahrnehmung und Konzentration verbunden. Hier wird die Parallele zur menschlichen Entwicklung wieder deutlich.

Bei der Arbeit in der Gruppe ist die Entwicklung von Verantwortung für die anderen Reiter/innen unerläßlich. Sie bietet den Raum für die Förderung sozialer und emotionaler Kompetenz.