Die Menschen und die Tiere    

                     

Auf unserem offenen Lebenshof leben zur Zeit vier Menschen, sieben wunderbare, überaus gelassene und menschenfreundliche Pferde, vier kuschelige, menschenliebende, arbeitsfreudige Hunde, drei wuschelige Knuddelkühe, zwei zahme Ziegenböcke, so um die 45 Hühner, drei Katzen und fünf Kaninchen.

            

Neben den beiden Katzen Tigerle und Itchibud, gibt sich der neuzugezogene rote Simba die Ehre. Unsere freche Katze Mirabelle, die eigentlich gar keine Katze war, sondern ein bis jetzt noch nicht da gewesenes Therapietier einer noch unbekannten Art, lebt leider nicht mehr..

                                                         


Henne Carlotta nebst ihren Nachkommen und Kolleginnen, sowie die dazugehörigen stolzen Hähne und die Kaninchen treiben sich am Pferdestall herum und begeistern uns immer wieder, in dem sie einfach eine tolle Atmosphäre verbreiten. Wenn man genügend Geduld aufbringt, lassen sich diese illustren Damen und Herren auch aus der Hand füttern. Wir wollen unseren Hühnern das Brüten nicht verbieten, deshalb gibt es auch immer  wieder Hühnerküken, die so puschelig und süß sind, dass man sie am liebsten knuddeln möchte.

               

Böckchen, der zahme weiße deutsche Edelziegenbock, lebt leider nicht mehr. Seinen wilden, frechen Kollegen Beatle Joe mussten wir schweren Herzens schon vor ihm einschläfern lassen, da er unter Blasensteinen litt. Mehr als würdig werden die beiden jetzt vertreten von Klesche, dem frechsten Ziegenbock, den wir je kennen gelernt haben. Er springt aus dem Stand mühelos 1,20m. Er kostet uns ne ganze Menge Nerven, wickelt uns aber mit seinem süßen Silberblick immer wieder um den Finger. Ihm leistet Paulchen Gesellschaft, ein verschüchterter Zwergbock, der ausgesetzt wurde.

       


Das zum tierischen SchnuppStrupp Team ursprünglich gehörende Lieschen, die uns zwischenzeitlich wieder abgeknöpft worden war, konnten wir durch Glück und Zufall im Dezember 2008 auf dem Weg ins Schlachthaus hochtragend freikaufen. Ihr letztes Kalb - Lola - durfte sie endlich behalten. Sie lebt in einer kleinen harmonischen Herde mit zwei anderen Rindern zusammen, zieht ihnen aber manchmal immer noch die Pferde und den menschlichen Kontakt vor. 

Es ist faszinierend zu beobachten, wie friedlich, aber interessiert aneinander diese so verschiedenartigen Tiere ihren großen Lebensraum miteinander teilen und miteinander umgehen.

 

 

Die Frauen

 

Ich, Marion Diekel, geboren im Februar 1960, lebte und arbeitete nach meiner Ausbildung als Juristin ab 1990 zunächst in einer kleinen therapeutischen Pflegestelle auf einem Bauernhofprojekt der Hamburger Behörde für Gesundheit und Soziales mit sieben schwermehrfachbehinderten Menschen zusammen. 
Zu der Zeit hatte ich zwar schon seit 19 Jahren ein eigenes Pferd, aber eigentlich keine Ahnung davon. Dann aber lernte ich das therapeutische Reiten, die Reken-Reitweise, Linda Tellington-Jones und damit eine für mich ganz neue, wunderbare Pferdewelt kennen. Alsbald begann ich mit der berufsbegleitenden Ausbildung für das heilpädagogische Reiten und Arbeiten mit dem Pferd beim Förderkreis für therapeutisches Reiten e.V.. Nach vierjähriger Ausbildung und verschiedenen pädagogischen und reiterlichen Weiterbildungen, sowie ständiger Praxis in Voltigieren, Freizeitreiten und Reittherapie im Voltigier- und Reitzentrum Schöppingen e.V. legte ich im Dezember 1994 die Prüfung zur Reittherapeutin mit dem Schwerpunkt heilpädagogisches Reiten und Arbeiten mit dem Pferd ab.
1995 erwarb ich beim Behindertensportverband NRW die Lizenz als Fachübungsleiterin für Rehabilitationssport in den Fachrichtungen MCD, Psychische Erkrankungen, geistige Behinderungen und Mehrfachbehinderungen. 
Seit 1996 bin ich Ausbilderin für ReittherapeutInnen beim Förderkreis für Therapeutisches Reiten e.V. und seit 1999 Übungsleiterin für Gelände- und Wanderreiten bei der Vereinigung der Freizeitreiter Deutschlands (VFD). 
Von 1994 bis Ende2004 erwarb ich als selbständige Reittherapeutin mein und das Brot der Pferde auf einem kleinen Hof im Münsterland. Ich warf - als der Mietvertrag dort endete - das Handtuch ins Münsterland und die Flinte in den Mais. Voller Hoffnung und guter Ideen flüchtete ich aus dem damals schon a(g)groindustriellen Münsterland und wanderte aus in die Mitte Deutschlands, in die Rhön. 
Im Juni 2006 beendete ich eine weitere Ausbildung für tiergestützte Pädagogik und Therapie beim Institut für soziales Lernen mit Tieren in der Wedemark. Damit erfüllte ich mir einen Traum, denn nun hatte ich genügend Hintergrundwissen und Sicherheit, auch meine anderen Tiere im Rahmen tiergestützter Fördermaßnahmen in meine Arbeit mit Menschen einzubeziehen.
2007 machte ich mich wieder als Reittherapeutin selbstständig und fand mit Stephanie Papendieck eine junge, mutige Studentin, die mit frischer Kraft und viel guter Laune das Angebot des SchnuppStrupp bereicherte. Ende 2008 fand ich endlich den schon lange ersehnten eigenen Hof. 
Kurz zuvor hatte ich  mit dem Studium der sozialen Arbeit in Fulda begonnen um meinen "Zusatzausbildungen" endlich den passenden Grundberuf hinzuzufügen. Stephie machte ihr Anerkennungsjahr bei mir, absolvierte mit viel Durchhaltevermögen ihre Ausbildung zur Reittherapeutin und stieg dann als selbstständige Sozialpädagogin mit in das Projekt ein.
Mein Studium der sozialen Arbeit schloss ich Anfang 2012 ab und freue mich riesig auf die Zeit nach meinem Anerkennungsjahr, denn dann kann ich mich endlich "nur" noch unserem Projekt des offenen, solidarischen Lebenshofes, meinen menschlichen und tierischen Mitbewohnern und dem Hier und Jetzt widmen.

Ich, Stephanie Papendieck, erblickte im Januar 1984 das Licht der Welt. Nach dem Abitur beschloss ich, mir eine Auszeit zu nehmen und ein Soziales Jahr in Frankreich zu absolvieren. In der wunderschönen Normandie arbeitete ich zehn Monate mit psychisch und physisch behinderten Erwachsenen im Bereich des heilpädagogischen Reitens und der tiergestützten Therapie zusammen. Aufgrund meiner Freude an der Arbeit mit Tieren und Menschen entschied ich mich im Anschluss an mein Soziales Jahr, dies zu meinem zukünftigen Beruf zu machen. Um mir eine pädagogische Basis zu schaffen, begann ich 2004  an der Hochschule Fulda mein Studium der Sozialpädagogik, welches ich im Sommer 2008 erfolgreich abschloss.
Im April 2007 begann ich im Rahmen meines Studiums ein Praktikum auf Hof SchnuppStrupp. In dieser Zeit half ich in den bestehenden Reitstunden mit, leitete diese teilweise selber an und wirkte in den Ferienfreizeiten als Betreuerin und Reitlehrerin mit. Dadurch konnte ich meine Kenntnisse und Fertigkeiten hinsichtlich des heilpädagogischen Reitens und Arbeitens mit dem Pferd und anderer tiergestützten Fördermaßnahmen erweitern und vertiefen und neue Methoden und Ansätze kennenlernen. 
Da mir die Arbeit auf Hof SchnuppStrupp und auch die Zusammenarbeit mit Marion während meines Praktikums sehr viel Freude bereitete und sich mein Wunsch, Reittherapeutin zu werden noch mehr gefestigt hatte, entschied ich mich, mein Anerkennungsjahr (Oktober 2008 bis Oktober 2009) auf Hof SchnuppStrupp durch zu führen. Neben der Arbeit auf dem Hof arbeitete ich während des Anerkennungsjahres auch stundenweise in einer Mädchenwohngruppe der Violeta gGmbH. 
Zudem lernte ich durch Marion den Förderkreis für Therapeutisches Reiten e.V. kennen, wo ich 2008 meine Ausbildung zur Reittherapeutischen Assistentin (RTA) begann, die ich im Oktober 2009 erfolgreich abschloss.
Kurz vor Ende des Anerkennungsjahres bekam ich in der Violeta eine Teilzeitstelle angeboten, welche ich zusätzlich zur Arbeit auf Hof SchnuppStrupp annahm. Ich merkte jedoch relativ schnell, dass sich die beiden Arbeitsbereiche weder zeitlich noch kraftmäßig gut verbinden ließen. Da mein Herzblut der Reittherapie und dem Hof gehörte, entschied ich mich im März 2010, bei der Violeta zu kündigen und mich als Sozialpädagogin und Reittherapeutin auf Hof SchnuppStrupp selbstständig zu machen. Im Anerkennungsjahr hatte ich bereits begonnen, mir einen eigenen kleinen Klientenstamm aufzubauen, selbstständig Reitstunden anzuleiten, eigene Projekte und Ideen umzusetzen und auch den neuen Hof mitzugestalten. Die Tatsache, dass ich einen voll ausgestatteten Betrieb nutzen und in meiner bisherigen Tätigkeit auf Hof SchnuppStrupp schon viele Erfahrungen sammeln konnte, erleichterte mir den Schritt in die Selbstständigkeit sehr. Aufgrund der gegebenen Möglichkeiten konnte ich direkt "durchstarten" und meinen Kundenstamm weiter ausbauen. Gemeinsam gestalteten Marion und ich in den kommenden Jahren den Hof weiter aus, gewährleisteten und optimierten die Versorgung der Tiere und entwickelten neue konzeptionelle Ideen, wobei wir beide unsere Selbstständigkeit bewahrten. 
Im November 2012 schloss ich meine Ausbildung zur Reittherapeutin (RT) erfolgreich ab und  im Juni 2014 erwarb ich mit dem Übungsleiter für pferdegerechten Basisunterricht beim Förderkreis für Therapeutisches Reiten e.V. vorerst auch meine letzte reiterliche Qualifikation.

Nun kann das nächste Projekt kommen.....

 

Die Pferde -
Anforderungen an sie und an die äußeren Bedingungen des heilpädagogischen Reitens

Schecke (1983, Irischer Tinker), Stjerne (1989, Schottisches Highland Pony), Moritz (1989, Shetty), Kelly (1988, Irische Tinker), Mon Cherie (1996, Westfale) und die freche Annabel ( 1996, Haflingerin) sind die tragenden Pfeiler und der Mittelpunkt des heilpädagogischen Reitens und Arbeitens mit dem Pferd.

Sie bieten verschiedene Charaktere und Gänge, Größen und Farben. Sie leben als Herde auf großen, ungedüngten Weiden mit großzügigen Stallungen und atemberaubender Weitsicht in die Rhön am Rande des kleinen Dörfchens Oberstoppel. Ihrem natürlichen Bewegungsdrang, ihrem Bedürfnis nach Geselligkeit und nach Luft, Licht, Sonne, Wind und Wetter, Schubbergelegenheiten und artgerechter Nahrung können sie so jederzeit nachkommen.

Für das heilpädagogische Reiten sind ausgeglichene und charakterlich einwandfreie Pferde unabdingbare Voraussetzung. Sie müssen zwar gehorsam sein, dürfen aber nicht ihr arteigenes Verhalten verlieren. Denn das natürliche Sozialverhalten des Pferdes ist - neben seiner takt- und schwungvollen Bewegung- die Basis unserer Arbeit. Deshalb orientieren wir uns ebenso wie bei den Menschen, die zu uns kommen, an den jeweiligen Fähigkeiten des einzelnen Pferdes und setzen auf seine freiwillige und partnerschaftliche Mitarbeit . Wir beachten die Rechte und Bedürfnisse unserer Pferde und akzeptieren auch ihre individuellen Grenzen.

Das heilpädagogische Reiten findet da statt, wo die Pferde leben: draußen. Die Sinnesreize, die eine natürliche Umgebung, Wind und Wetter gewährleisten, sind basal und wir setzen sie bewusst mit ein.

Ubsere Therapiepferde sind sowohl vom Boden als auch unterm Reiter vielseitig und solide ausgebildet und werden laufend weiter geschult. Sie sind bzw. werden in der Signalreitweise ausgebildet, so dass sie auf leicht erlernbare Zeichen reagieren. So können sich auch Menschen mit geringen Einwirkungsmöglichkeiten dem Pferd verständlich machen und das selbständige Reiten erlernen. 

Die anderen Tiere

Auch die anderen Tiere sind nicht zufällig hier. Sie tragen zur Atmosphäre auf dem Hof bei und ermöglichen Kindern und Erwachsenen eine Reihe neuer Erfahrungen. Im Laufe meiner Arbeit haben wir erfahren, dass nicht nur die Pferde ein ungeheures Entwicklungspotential bieten, sondern für viele Menschen die anderen Tiere und die natürliche Begegnung mit Ihnen ebenso wichtig ist. Wir kommen daher immer mehr dazu, das Reiten in den Hintergrund und den Umgang mit den Tieren in den Vordergrund zu stellen.