Hof SchnuppStrupp -
wohin des Weges?

Tja, ob diese Frage wohl jemals vollständig und endgültig beantwortet werden kann?

Nach zehn Jahren im wunderschönen, pikkenschwatten Münsterland und dem Ende des Mietvertrages für meinen Bauernhof in Coesfeld-Harle ist Hof SchnuppStrupp mit Sack und Pack, mit allen Tieren, mit Trecker und Bauwagen umgezogen in die große, fremde Welt des wilden Westens, direkt an die Grenze zwischen Hessen und Thüringen.
Unser sehr enttäuschender und ebenso teurer Umweg über den Reiterhof Arhöna war sehr lehrreich. Wie es Menschen, die Neues lernen und in einer Gemeinschaft leben wollen, so oft geht, habe auch ich dort vor allem eines gelernt, nämlich: welchen Weg ich für mich, die mir anvertrauten Tiere und eventuelle menschliche Mitarbeiter auf gar keinen Fall gehen will.
Nachdem wir 12 Kilometer weiter westlich gestrandet waren, im nicht minder schwatten Landkreis Fulda, zwischen Hünfeld und Bad Hersfeld, ca. 90 Kilometer südlich von Kassel unmittelbar am Rande der Kuppenrhön, dem sogenannten hessischen Kegelspiel, habe ich nun endlich meinen langjährigen Traum verwirklichen können und einen wunderschönen 200 Jahre alten Vierseitenhof gekauft. Endlich ein eigener Hof! Jeder, der Pferde in Eigenregie hält, kann sich denken, welch ungeheure Erleichterung damit verbunden ist. Kein Vermieter mehr, der kein Heu liefert, weil ihm gerade nicht danach ist. Kein Vermieter mehr, der mitten im Pferdeauslauf Unmengen Holz verbrennen lässt und die übriggebliebenen Nägel und Metallteile vollkommen normal findet. Keiner mehr, der auf den angepachteten Weiden während der Reitstunden Motocross fährt. Keiner mehr, der eine völlig verschimmelte Wohnung vermietet und auch das vollkommen normal findet.

Tja man erlebt schon eine Menge in seinem pferdeverbundenen Dasein. Irgendwann habe ich vielleicht einmal genug Zeit, über die Herren, die mir im Laufe des Lebens für teures Geld eine gute Versorgung meiner Tiere gewährleisten wollten, kleine Geschichten zu schreiben. Es könnten lustige Geschichten werden, denn mit einem gewissen Abstand kann man über vieles lachen, was einem zunächst das Blut in den Adern gefrieren ließ und es anschließend zum Kochen brachte.

Ein nicht unerheblicher Teil der Frage ist jetzt schon mal beantwortet:

Endlich, endlich, endlich kann ich tatsächlich allein bestimmen, ob meine Tiere ordentlich versorgt werden. Es wird noch einige Zeit dauern bis der neue Hof soweit ist, dass er allen meinen Ansprüchen gerecht wird. Noch ist das Weideland knapp, aber bis Ende 2010 werden es 3,7 Hektar sein. Das ist schon ganz gut für sechs Pferde. Irgendwann wird es auch wieder einen Reitplatz geben, vielleicht keine wie man ihn sich landläufig vorstellt, aber einen auf dem man mehr machen kann, als stumpfsinnig im Viereck reiten. 
Die Arbeit und vor allem die Kosten, die mit der Tierhaltung verbunden sind, haben sich mächtig reduziert. Das liegt aber nicht nur an den guten Haltungsbedingungen, sondern auch daran, dass einige meiner Weggefährten nicht mehr bei mir sind.

Im Sommer 2003 musste ich meinen tierischen Freund und Begleiter, meinen Oldenburger Fellow, der mich 32 Jahre meines Lebens begleitet hat, im gesegneten Alter von 35 Jahren einschläfern lassen. Im Oktober 2003 folgte ihm meine heißgeliebte portugiesische Weißwurst auf vier Pfoten, meine Hündin Lukka. Ebenfalls im Oktober 2003 zog meine Pflegetochter auf Zeit - Isabel - aus. Meine kleine schwerbehinderte Ente Schwacko starb im August 2004 - eine Woche, nachdem ich meinen neuen Hund, Tino, in Mansbach gefunden hatte. Im Oktober 2004 hatten wir - neun Pferde, zwei Hunde, drei Katzen, ein Ziegenbock und einiges an gefiedertem Getier - dann endlich unseren Mammutumzug in den wilden Westen geschafft. Eine Katze verschwand in Mansbach und Leo, mein großer, alter, weiser Magyar-Viszla, starb Weihnachten 2005, drei Monate nachdem er zu seiner Ursprungsfamilie zurückgekehrt war.
Dann im Frühjahr 2006 habe ich endlich geschafft, was ich bis dahin nicht hatte übers Herz bringen können, nämlich Pferde zu verkaufen. Nepomuk, mein Haflinger und Lillebror, mein Dülmener Mix, sind von wunderbaren, lieben Leuten in artgerechte, liebevolle Haltung gekauft worden und ich bin sehr glücklich damit, dass das so gut gegangen ist und alle Beteiligten einfach nur glücklich damit sind. Auch Zauberin, die müde Schönheit hat mit ihren 24 Jahren jetzt eine neue Hüterin gefunden, die sich rührend um sie kümmert und ihr sicher noch einige schöne, artgerechte Lebensjahre gewähren kann.
Somit habe ich jetzt einige Lebewesen, die mir viel Freude bereitet, aber auch meine Kraft sehr und mehr als die anderen in Anspruch genommen haben, nicht mehr bei mir.

Auch das ist ein Teil der Antwort:

Aus Hof SchnuppStrupp wird Little SchnuppStrupp!
Little SchnuppStrupp; nicht nur weil wir weniger (große, teure) Pferde sind, sondern auch, weil die kleinen Tiere eine größere Rolle spielen werden. Schon in Coesfeld hatte sich der Einsatz der anderen Tiere aufgedrängt. Im Juni 2006 habe ich mit Kurs 8 meine Ausbildung für tiergestützte Fördermaßnahmen beim Institut für soziales Lernen mit Tieren in der Wedemark abgeschlossen und damit den Grundstock gelegt für den qualifizierten Einsatz aller anderen Tiere in meiner pädagogisch-therapeutischen Arbeit.
Hinzu kommt, dass eines meiner Pferde nach meinem Umzug sehr schwer krank geworden ist und weder ich noch andere Fachleute die vielen klitzekleinen Anzeichen, die es dafür schon lange vorher gab, wahrgenommen haben. Dadurch hat sich meine Einstellung zu dem, was ich meinen Pferden zukünftig an Leistungen abverlangen werde, drastisch geändert. Sie werden nicht mehr schwerpunktmäßig zum Reiten - schon gar nicht zum Leistungssportreiten - eingesetzt werden, sondern überwiegend in der Therapie und in sehr sanftem, bewusstem und ruhigem Reitunterricht.

Ab sofort bieten wir an:

Der Hof

Mein Vierseitenhof ist ein wunderschönes Fachwerkensemble, das mit einer wunderbaren Aussicht in die Rhön den Pferden und mir endlich den lang ersehnten weiten Blick ermöglicht. Der Hof, die Stallungen, die groß genug sind für alle Tiere und das Weideland liegen am Rande des kleinen Dörfchens Oberstoppel am Fuße des Stoppelsberges mit der Burgruine Hauneck. 
Der Hof bietet den Rahmen für angstfreies und vertrauensvolles Lernen in ruhiger und entspannter Atmosphäre inmitten freier Natur, fernab von Hektik, Lärm und Alltagsstress. Vom Hof aus können wir große zusammenhängende und artenreiche Waldgebiete erkunden, hügelauf und hügelab reiten und immer wieder verschiedene wunderschöne Aussichten auf das Umland und auf die Kuppenrhön genießen. SchnuppStrupp bietet vielfältige Möglichkeiten, schrittweise sich selbst, seine Sinne und die Natur zu erfahren und so die natürlichen Zusammenhänge des Lebens und die jahreszeitlichen Zyklen zu erfassen.

In eigener Sache

Durch den Hinweis eines Bekannten wurde ich Mitte 2005 darauf aufmerksam, dass es noch einen Hof SchnuppStrupp geben soll. Ich konnte das nicht glauben, habe dann aber im Internet recherchiert. Und siehe da: eine junge Frau, die ich selbst im Rahmen meiner Tätigkeit als Kursleitung beim Förderkreis für therapeutisches Reiten und auf meinem Hof in Coesfeld als reittherapeutische Assistentin ausgebildet habe, hat sich kürzlich mit einem Reiterhof-Schnupp-Strupp selbstständig gemacht.
Natürlich hatte die junge Dame es nicht nötig, bei mir nachzufragen, ob sie meinen Namen, den ich immerhin seit 1994 führe, benutzen darf. Auch hat sie auf ihrer Homepage keinen Hinweis darauf gegeben, dass der Name geklaut ist. Sie klärte ebenso nicht darüber auf, dass sie das wenige Dürftige, dass sie zum therapeutischen Reiten ursprünglich bekannt gab, wortwörtlich von meiner Seite abgeschrieben hatte. 
In der Presse und auf ihrer Homepage tritt sie als Reittherapeutin auf. Sie hat aber ihre Ausbildung bei unserem Förderkreis nicht abgeschlossen, weil sie nicht zur Prüfung zugelassen wurde. 
Unter anderem präsentiert sie stolz einen neuen Boxenstall und weist darauf hin, dass die Pferde da sogar aus dem Fenster gucken können! 
Ende 2004 beantragte sie beim Patent- und Markenamt in München sogar die Eintragung der Marke Pferde- und Ponyhof Schnupp-Strupp. Da ich es nach reiflicher Überlegung für recht schwachsinnig hielt, mich wegen meines Betriebes, der eh am Existenzminimum dahinkrebst und nur auf Grund ehrenamtlichen Engagements vieler Personen bis heute überlebt hat, in einen teuren Markenrechtsstreit zu stürzen, soll sie sich ihre Marke doch an die A....Backe schmieren.
Ich distanziere mich von diesem Reiterhof-Schnupp-Strupp ganz ausdrücklich und vehement.
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